| Projektdurchführung: | HTWG Konstanz |
| Kooperationspartner | HFT Stuttgart |
| Kooperationspartner | HKA Karlsruhe |
| Kooperationspartner | proHolz Baden-Württemberg |
| Praxispartner | Züblin Timber und Ed Züblin AG |
| Bilder | Achim Birnbaum, Andreas Kretzer |
In keinem anderen Wirtschaftsbereich werden ähnlich große Stoffströme umgesetzt wie im Bauwesen. Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft ist daher hier besonders relevant. Das Projekt Stuttgart 210 untersucht vor diesem Hintergrund die Verwendung von Bauhilfsmitteln als Primärkonstruktion für neue Gebäude am Beispiel der Schalungselemente des Stuttgarter Hauptbahnhofs (Stuttgart 21) aus blockverleimten Brettsperrholz. Statt thermischer Verwertung wird der stoffliche Erhalt der Ressource Holz und die Wertsteigerung der Elemente im Sinne des Upcycling erforscht.
Dazu wurden unterschiedliche Architektur- und Tragwerksentwürfe auf Grundlage einer umfassenden Analyse der Schalungselemente erarbeitet und verglichen.
Durch die Vorbereitung und Durchführung von vier Reallaboren setzt sich das Projekt den Anforderungen des realen Bauens aus. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse lassen sich wiederum übertragen und in einer Planungshilfe verallgemeinern. Ein prototypisches Gebäude aus zwölf Schalungselementen wurde bereits errichtet und in Betrieb genommen. Für drei weitere Reallabore sind die Elemente übergeben und eingelagert. Das Verwenden komplexer, vorgegebener Bauteile erfordert es, den Entwurfsprozess in der Architektur neu zu denken und zu strukturieren. Üblicher Weise steht die Funktion des Gebäudes am Ausgangspunkt der Entwurfsüberlegungen, zu einem späteren Zeitpunkt folgt eine möglichst entwurfsgerechte Materialisierung. Bei der Verwendung der Schalungselemente dreht sich dieser Prozess um: Die Re-Use-Komponenten als Primärtragwerk prägen von Anfang die Möglichkeiten des Gebäudeentwurfs.
Einerseits entstanden nutzungsneutrale Gebäude, die durch zukünftige Bauherren einfach und auf sehr unterschiedliche Weise genutzt werden können (Reallabor Mannheim und Marbach). Andererseits ergaben sich aus der Form der Schalungselemente sehr plausible Gebäudegeometrien, für die sehr spezifisch Nutzer gefunden wurden (Reallabore Stuttgart Vaihingen und Ingersheim).
Um die Reallabore umsetzen zu können, sind auch die aktuellen juristischen Rahmenbedingungen, die meist auf den Einsatz neuer Materialien ausgerichtet sind und die Wiederverwendung von Bauteilen nicht vorsehen, Gegenstand der Untersuchung. Die rechtlichen Hürden in Bereichen wie Vergaberecht, Bauordnungsrecht, und Werkvertragsrecht und Bauproduktenrecht sind ebenso dargestellt wie mögliche Vorgehensweisen am Beispiel der Verwendung der Schalungselemente des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Außerdem wurden Empfehlungen zur Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen erarbeitet, um die Wiederverwendung von Bauteilen zu fördern bzw. mit angemessenem Aufwand möglich zu machen.
Im Rahmen des Forschungsprojekts wurde aufgezeigt, dass die aktuellen Methoden der Ökobilanzierung generell deutliche Schwächen aufzeigen, insbesondere im Hinblick darauf, dass sowohl der Zeitpunkt der Entstehung von Emissionen als auch die unterschiedliche Qualität der Datengrundlage der Module A (konkrete Planung), B (Szenario auf Grundlage konkreter Planung) und C (rein spekulative Annahmen) keine Berücksichtigung finden.
In Bezug auf biogene Baustoffe ist es nach den aktuellen Bilanzierungsmethoden nicht möglich, das dauerhafte CO2-Speicherpotenzial abzubilden. Das benachteiligt diese gegenüber mineralischen und anderen abiotischen Baustoffen deutlich, insbesondere bei der Wieder-/Weiterverwendung. Werden Bauteile aus Rückbau in Neubauprojekten weiterverwendet, werden in der Ökobilanz für diese Elemente im Neubau keine Emissionen in Modul A angesetzt, was das Gesamtergebnis bei nicht-biogenen Bauteilen in der Regel verbessert. Allerdings führt dies dazu, dass bei biogenen Bauteilen das CO₂-Bindungspotenzial, das sonst in Modul A berücksichtigt würde, in der Ökobilanz des Neubaus entfällt. Dennoch müssen die Belastungen für biogene Bauteile weiterhin im Modul C angesetzt werden.
Am Beispiel der Berechnungen zum Reallabor Stuttgart Vaihingen wurde daher das CO₂-Bindungspotenzial der wiederverwendeten Schalungselemente im Modul A berücksichtigt. Die Ergebnisse zeigen einen entsprechend positiven Effekt, dennoch wird aus den oben genannten Gründen das volle Potenzial nicht abgebildet.