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Buggi 52 - Achtgeschosser in Holzbauweise Freiburg

Buggi 52 - Achtgeschosser in Holzbauweise

Schlagworte

Holzbau-Referenz
HIP - Bauvorhaben
MLR
Wohn- und Geschäftshaus
EFRE Holz Innovativ Programm
2021

Projektdetails

ProjektartBauvorhaben – HIP
GebäudetypMehrgeschossiger Holzbau
Ort79114 Freiburg
Fertigstellung2021
FördernehmerIG Klösterle, Freiburg
BilderJochen Weissenrieder, Holzbau Bruno Kaiser GmbH, Martin Granacher

Details zum Projekt

Bei dem achtgeschossigen Holzbau „Buggi 52“ ist es den Architekten gelungen, auf knapp 900 m2 Grundfläche einen Supermarkt, und in den Holzgeschossen darüber (mit je 400 mGrundfläche) einen Kindergarten und 30 Wohnungen unterzubringen. Erd- und Untergeschoss des etwa 25 m hohen Neubaus in der Bugginger Straße 52 im Freiburger Stadtteil Weingarten wurden in Stahlbetonbauweise ausgeführt. Darauf setzen sieben weitere Geschosse in reiner Holzbauweise auf. Errichtet wurden sie – inklusive der Erschließung – innerhalb weniger Wochen, überwiegend als ressourceneffizienter Holzrahmenbau. Aufgrund der Gebäudehöhe und die daraus resultierende Einstufung in die Gebäudeklasse 5 (Sonderbau) hatte der Mehrgeschosser besondere Anforderungen an den Brand- und Schallschutz zu erfüllen. Dies schlug sich in vielen Konstruktionsdetails des Holztragwerks nieder, unter anderem auch in der Wahl der Holzrahmenbauweise für die Gebäudehülle und die Flurwände in Kombination mit Treppenhäusern und Aufzugschächten aus Brettsperrholz als Aussteifungselemente. Hinzu kommt der Einsatz von hoch belastbarem Buchen-Furnierschichtholz, auch als BauBuche bekannt, für Schwelle und Rähm in den Holzrahmenbau-Elemente sowie nicht glimmbaren Dämmstoffen für die Holzfassade aus Weißtanne. Buggi 52 wurde in serieller Bauweise weitgehend vorgefertigt und aus regional verfügbaren Materialien erstellt. Damit ist es nicht nur ein KfW 55-Gebäude, sondern wurde auch als erstes Bauvorhaben Deutschlands FSC-zertifiziert.


Projektentwicklung: sutter3 GmbH & Co. KG, Freiburg
Generalunternehmen Holzbau: Holzbau Bruno Kaiser GmbH, Bernau im Schwarzwald
Architektur: Weissenrieder Architekten BDA, Freiburg
Tragwerksplanung: Die Holzbauingenieure, Titisee-Neustadt, mit Albrecht und Schneider, Freiburg
Auszeichnungen: Deutscher Holzbaupreis 2023, Holzbaupreis Baden-Württemberg 2022, Freiburger Holzbaupreis 2022, Beispielhaftes Bauen 2022

 

Baudokumentation des Informationsdienst Holz

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Gemischt genutzter Mehrgeschosser wertet Umfeld auf

Der achtgeschossige Wohn- und Gewerbebau an der Bugginger Straße 52 im Freiburger Stadtteil Weingarten, kurz Buggi 52 genannt, zeigt wie Stadtentwicklung mit hohem baulichen, ökologischen und sozialen Wert funktionieren kann. Mit der Idee eines Holzbaus wollte man das Potenzial von Holz voll ausschöpfen, die Anforderungen klimafreundlichen Bauens über das derzeit geforderte Maß hinaus realisieren und mit dem nachwachsenden Baustoff so ressourcenschonend wie möglich umgehen.

Der insgesamt 25 m hohe Neubau umfasst ein Stahlbeton-Sockelgeschoss mit sieben darauf aufsetzenden Vollgeschossen in Holzbauweise. Dieser 20,40 m hohe Holzturm hat Außenmaße von knapp 35 m Länge und rund 13 m Breite. Mit einer Höhe von 21,98 m, gemessen von der Oberkante des Fußbodens im Erdgeschoss bis zur Oberkante des Fußbodens der letzten Geschossdecke, liegt das Gebäude gerade noch unter der Hochhausgrenze von 22 m und ist daher der Gebäudeklasse 5 (GK 5) zugeordnet.

Der Supermarkt mit 892 m2 Grundfläche im Sockel- bzw. Erdgeschoss des Gebäudes ersetzt in moderner Weise den veralteten Vorgängerbau – ein eingeschossiger Einkaufsmarkt, der dem Neubau weichen musste. Im ersten Obergeschoss wurde ein dreizügiger Kindergarten mit Außenspielfläche auf dem Dach des Supermarktes eingerichtet. Damit wird auch die Infrastruktur des Quartiers verbessert. In den übrigen Geschossen befinden sich 30 überwiegend barrierefreie Wohnungen unterschiedlicher Größe zu günstigen Mieten. So wertet der Neubau das sozial schwierige Umfeld im Rahmen des Bund-Länder-Förderprogramms ‚Soziale Stadt‘ funktionell wie städtebaulich auf.

Anforderungen und Rahmenbedingungen für optimierten Neubau

Zu den Anforderungen, die das Gebäude erfüllen sollte und erfüllt, gehören der Energiestandard KfW 55 und ein erhöhter Schallschutz nach DIN 4109-5. Gefordert waren zudem eine reine Holzkonstruktion inklusive Holzfassade, Sichtdecken aus heimischer Weißtanne, ökologischen Dämmstoffen und diffusionsoffenen Bauteilen. Die Materialien sollten möglichst ressourcenschonend und platzsparend eingesetzt werden, wozu Rohstoffe aus regionaler Herkunft und Produktion beitrugen. Auf dieser Basis erfüllt der Neubau als erstes FSC-zertifiziertes Gebäude Deutschlands auch die Zertifizierungsanforderungen für nachhaltige Waldwirtschaft.

Die Sicherungsmaßnahmen des vollständig bebauten Grundstücks stellten ebenfalls eine Herausforderung dar. Nicht zuletzt resultierten aus der Bauart – sieben Geschosse in Holzbauweise, einschließlich der Treppenhäuser und des Aufzugsschachts – hohe Anforderungen an den Brandschutz. Weil es für ein Gebäude dieser Größenordnung zum Planungszeitpunkt jedoch noch keine eindeutigen gesetzlichen Rahmenbedingungen gab, erforderte die Zulassung zahlreiche individuelle Konstruktionsdetails, die trotz vorliegender Prüfzeugnisse einzeln erarbeitet und mit dem Baurechtsamt abgestimmt werden mussten. So konnte schließlich auf wartungsintensive Haustechnik verzichtet werden.

Materialkonzept für Tragwerk und Aussteifung

Das Erd- und Untergeschoss wurden aus Brandschutzgründen und aufgrund der für den Supermarkt erforderlichen weitgehend stützenfreien Konstruktion in Stahlbetonbauweise ausgeführt. Auch die Treppenläufe sind aus Beton. Sie erfüllen damit die Landesbauordnung, die aus Brandschutzgründen für Fluchtwege nicht brennbare Materialien fordert. Ab dem ersten Obergeschoss übernimmt Holz die Hauptrolle, wobei die Lastabtragung über die Fassaden und die Flurachsen erfolgt. Für die Aussteifung sorgen die Erschließungskerne, die Treppenhaus und Aufzugsschacht aufnehmen.

Diese beiden Erschließungskerne wurden aus Brettsperrholz-Elementen errichtet, woraus sich eine sehr wirtschaftliche Tragkonstruktion ergibt. Der Aufzugsschacht wurde zudem schwimmend eingebaut, um Schallübertragungen aus dem Fahrbetrieb in die angrenzenden Bauteile zu vermeiden. Die Brettsperrholzwände der Erschließungskerne gewährleisten mit Zulassung die zusätzlichen mechanischen Anforderungen für F90-M. Da eine Brettsperrholz-Wand etwa 40 mal steifer ist als eine Holzrahmenbauwand, konnte ein Großteil der horizontalen Lasten über die Erschließungskerne abgetragen werden. Zudem ergänzen Schubnocken geschossweise die Elemente. Diese Holzverbindungen übertragen die Schubkräfte, während die Zugkräfte von eingefrästen, vorgespannten Gewindestangen aufgenommen werden; auf diese Weise ließen sich Verformungen und Schwingungen infolge von Windkräften minimieren. Die Verankerung der Holzkonstruktion im Beton erfolgte ebenfalls mit Hilfe von Schubnocken und Aussparungen. Aus Brandschutzgründen erhielten die Brettsperrholz-Wände zudem eine beidseitige Doppelbeplankung mit je einer Lage 15 mm und 18 mm Gipsfaserplatten, einseitig ergänzt mit einer weiteren Lage 15 mm Gipsfaserplatten auf Lattung und Mineraldämmstreifen.

Materialeffizienz für Decken sowie Außen- und Innenwände

Die sieben Holzgeschosse bestehen aus vorgefertigten Holzrahmenbau-Wandelementen und materialeffizienten Brettsperrholz-Rippendecken. Im Sinne des ressourcenschonenden Bauens setzten die Planer bei Bauteilen, die besonders hohe Lasten abzutragen haben, gezielt auf die hochtragfähige Bau-Buche – etwa bei einem Großteil der Schwellen und Rähme in den Holzrahmenbau-Elementen.

Die tragenden Außen- und Innenwände sowie die nichttragenden Innenwände wurden weitgehend vorgefertigt. Jede Außenwand erfüllt REI 90. Als sichtbare Hülle dient eine geschlossene Holzschalung aus vorvergrauter Weißtanne auf Lattung und Konterlattung. Dahinter setzt sich der Aufbau mit winddichter Folie, Gipsfaserplatten und Pyroresist Holzweichfaserplatten fort. Pyroresist ist schwer entflammbar und nicht glimmend, sodass der Einsatz dieses Materials ausschlaggebend für die Genehmigung des Gebäudes durch die Brandschutzbehörde war. Die Holzrahmenkonstruktion wurde mit nicht brennbarer Steinwolle ausgefacht und raumseitig mit einer speziellen dampfhemmenden Gipsfaserplatte luftdicht beplankt. Eine weitere Dämmschicht aus Steinwolle sowie eine Lage Gipsfaserplatten schließen den Aufbau innen ab. Alle Anschlüsse wurden luftdicht ausgeführt. Die nicht tragenden Innenwände in Holzrahmenbauweise dagegen mussten keine Brandschutzanforderungen erfüllen – so genügte es, diese einlagig mit 12,5 mm Gipsfaserplatten zu beplanken.

Zum Schutz gegen Brandüberschlag haben die Planer auf Höhe der Geschossdecken zusätzlich Brandüberschlagsbleche und -zonen angeordnet. Dabei haben sie Stahlbleche mit Gipsfaserplatten kombiniert. Die Ostfassade musste oberhalb der Freifläche des Kindergartens anstelle der reinen Holzfassade mit einem nichtbrennbaren Material bekleidet werden, da sie im Brandfall für die Feuerwehr nicht zugänglich ist. Dafür wählten die Architekten eine vorgesetzten Aluminiumwelle auf einer nichtbrennbaren Unterkonstruktion.

Die Wohnungstrennwände haben aus Schallschutzgründen eine Höhe bis Deckenoberkante. Deren Schwelle und Rähm aus BauBuche ermöglichten es, die Decken zwischen den Wohnungstrennwänden und den Außenwänden einzuhängen.

Bei den ebenfalls vorgefertigten Rippendecken-Elementen hat man die obere Deckenhälfte für die Leitungsführung genutzt und deren Hohlkammern dann vor Ort mit schalldämmendem Kalksplitt verfüllt.

Der Bodenaufbau setzt sich fort mit Holzfaserdämmplatten, 40/35 mm elastischen und zugleich trittfesten Trittschalldämmplatten aus Glaswolle, einer Noppenbahn zur Aufnahme der Fußbodenheizung, seitlich luftdicht angeschlossener Folie, Zementestrich und dem Bodenbelag. Die geschlossene Unterseite ist astfrei ausgeführt und bleibt sichtbar. In dieser Ausführung erfüllen die  Decken nicht nur die geforderten Brandschutzvorgaben, sondern gewährleisten gleichzeitig einen sehr guten Schallschutz.

Bauen mit Teamgeist ermöglicht top Ergebisse

Die Realisierung des Projektes erforderte eine enge Zusammenarbeit zwischen der Bauherrin, den Architekten, dem Projektentwickler, dem Tragwerksplaner und dem Holzbauer. Um die Höhenwerte des Bauwerks einzuhalten, wurde zudem ein Vermesser hinzugezogen, der den Baufortschritt begleitete und die Maße regelmäßig kontrollierte.

Nicht nur die Herausforderungen an das Brandschutzkonzept und die schwierigen Grundbesitzverhältnisse – ein Teil des Bestandsbaus nutzte das Erbbaurecht einer Stiftungsgesellschaft – wurden so gemeinsam erfolgreich gemeistert. Durch die frühzeitige Kooperation konnte eine klare Tragwerksstruktur entwickelt und Material, Kosten und Bauzeit konnten minimiert werden. Mit diesem Ziel übernahm der Holzbauer ab dem ersten Obergeschoss die Werkplanung, die Statik und die Bauleitung und produzierte die Bauteile in serieller Bauweise mit einem hohen Vorfertigungsgrad. So wurden etwa die Außenwand-Elemente  inklusive Fassadenkonstruktion, Lärchenholz-Fenstern, Sonnenschutz und Verblechungen sowie der horizontalen Brandriegel angeliefert und auf der Baustelle nur noch montiert. Auch die für die spätere Installation notwendigen Leerrohre und Dosen wurden bereits bei der Vorfertigung in die Bauelemente integriert. Auf dieser Basis benötigte die Montage des Gebäudes einschließlich der Decken pro Geschoss im Schnitt nur eine Woche Zeit.

 

Projektbeschreibung: Christine Ryll und Susanne Jacob-Freitag